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COGNAC & ROTWEIN
Liebesgedichte

Alles hat sein Gutes

Christopher Staininger: Cognac und Rotwein

Im Vorjahr debütierte der junge niederösterreichische Autor Christopher Staininger mit seiner Erzählung "Und zum Schluss ich", in der er sein Talent unmissverständlich unterstrich. Der Prosaerstling ist von einer eindringlichen Sprache, wie man sie in der zeitgenössischen österreichischen Literatur oftmals vermissen muss. Mit wenigen, dafür umso kraftvolleren Strichen skizziert er einen Mikrokosmos und leuchtet die Untiefen zwischenmenschlichen Interagierens aus.

Nun legt Staininger mit "Cognac & Rotwein" seinen ersten Lyrikband vor, der das mit der genannten Erzählung demonstrierte Talent untermauert.

Staininger erweist sich als Meister des originellen Bildes, der gelungenen Metapher. Wiederum kreisen seine Texte um das Zwischenmenschliche, und die Art, wie Staininger mit wenigen Worten eine ganze Welt zwischen Hoffnung und Niederlage erschaffen kann, ist beeindruckend.

Der Autor fängt das Leben ein und legt es der Leserschaft in wenigen Zeilen pointiert dar: "Alles hat sein Gutes", heißt es da beispielsweise, "während ich meinen Verstand verliere, findest du dich selbst." Oder "Manchmal hätte ich gern ein wenig Zärtlichkeit - doch bei jedem manchmal ist niemand da." Wie bei seinem Prosawerk sind auch Stainingers Gedichte ein Spiegel, in dem wir uns selbst erkennen. Und bekanntlich zeichnet genau das gute Literatur aus.

Christopher Staininger wurde 1970 geboren und wuchs in Wien und Retz auf. Noch während seiner Gymnasialzeit in Hollabrunn verfasste er erste Gedichte. Zwischenzeitlich hat Staininger auch in zahlreichen Zeitschriften und Anthologien publiziert. Ein Name, den man sich merken sollte, ein Name, der für die Zukunft viel verspricht - und zwar sowohl hinsichtlich seiner Prosa wie auch hinsichtlich seiner Lyrik!

Christopher Staininger: Cognac und Rotwein. Liebesgedichte. Resistenz-Verlag, Linz/Wien 2001, 83 Seiten.

Rezension von Andreas P. Pittler

Erschienen am 28. Dezember 2001
Wiener Zeitung